Travelling Archaeologist

Roman theater beside a railway station

Ein der gängigen Vorstellungen über Archäolog*innen ist sicherlich, dass sie ständig in den abgelegensten Weltecken regelrecht Abenteuer suchen. Schuld daran sind Filme wie „Indiana Jones“ oder auch berühmte Pionier*innen der Archäologie wie Getrud Bell (1868-1926) oder Max von Oppenheim (1860-1946).
Aber doch, ein Stück Wahrheit steckt in diesem Klischee. Reiselust gehört eindeutig zu den Vorrausetzungen, ein*e Archäolog*in zu sein. Der Beruf bringt es mit sich, häufig unterwegs zu sein wegen Surveys und Ausgrabungen im Gelände, Kongressen, Materialrecherchen in Museumsmagazinen, Ausstellungsbesuchen oder Projekttreffen. Archäologie ist eine Wissenschaft mit räumlichem Bezug.

Auch ich schreibe diesen Blogbeitrag offline im Zug zwischen Mainz und Kiel, unterwegs wegen eines Workshops „open access Publikationen in der Archäologie“ am Römisch-Germanischen Zentralmuseum Mainz – und ich genieße es durchaus, mit meinem Beruf einen Grund zu haben, auch außerhalb der Urlaubszeiten den Koffer zu packen und zu reisen. Selten sind es Abenteuerfahrten, da ich mit meinen Forschungsschwerpunkten Europa kaum verlasse. Doch auch das moderne Reisen erlaubt Unterbrechungen des Alltages, Konfrontationen mit Neuem und Begegnungen mit (anfangs fremden) Menschen, die häufig genug neue Impulse für die Forschungen geben.

Ein wichtiger Aspekt ist zudem das eigene räumliche Erfahren und Erleben historischer Landschaften, das Erfassen der Topgraphie eines Fundplatzes und der Entfernung zum nächsten. Dies kann kein noch so ausgefeiltes GIS-Programm ersetzen. Als Archäolog*in hat man zudem den Vorteil, auch in unbekannten Regionen über die (Vor-)Geschichte schnell einen Zugang zu Landschaften zu bekommen. Neue Gegenden bleiben nicht lange leer und bedeutungslos, sondern füllen sich für einen selbst mit Bezugspunkten – selbst bei einer schnellen Durchfahrt. So fahre ich heute mit dem Zug direkt an dem römischen Theater in Mainz vorbei, überquere in der Nähe von Frankfurt (Main) den römischen Limes und grüße auf dem einen Berg eine eisenzeitliche Höhensiedlung, auf dem anderen neolithische Kammergräber.

In Gedanken bin ich bei den Kolleg*innen, die ich gestern und heute bei dem Workshop getroffen habe. Tagungen sind Kontaktbörsen für alte und neue Freunde – und das europaweit. Networking heißt es auf der professionellen Ebene, aber einige Kolleg*innen lernt man bei den wiederholten Begegnungen intensiver kennen, so dass sich daraus ein weiträumiger, internationaler Freundeskreis entwickelt. Ein Grund mehr für die nächste Reise.

One of the common ideas about archaeologists is surely that they are constantly looking for adventure trips in world corners miles from anywhere. It is due to movies such as “Indiana Jones” and famous pioneers of archaeology such as Getrud Bell (1868-1926) and Max von Oppenheim (1860-1946).

But there is a piece of truth in this stereotype. Wanderlust clearly belongs to the prerequisites of being an archaeologist. The profession means travelling frequently for surveys and excavations abroad, conferences, material researches in museum magazines, exhibition visits or project meetings. Archaeology is one of the humanities with spatial reference.

I am also writing this blog contribution offline in the train between Mainz and Kiel (Germany), on the way because of a workshop “open access publishing in archaeology” at the Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz – and I am quite happy to have a reason with my profession, even outside the holiday season to pack my suitcase and to travel. Rare are adventure journeys, as I hardly leave Europe with my research topics. But even modern travel allows for interruptions of everyday life, confrontations with new ones and encounters with (initially strange) people, what often give new impulses for the research.

An important aspect is also the spatial experience of historical landscapes, the recording of the topography of a site and of the distance to the next. This cannot be replaced by any sophisticated GIS program. As an archaeologist, you also have the advantage of quickly gaining access to landscapes through (pre)history even in unknown regions. New areas do not remain empty and meaningless for a long time, but fill themselves with reference points – even in a fast transit. So I drive today by train directly through the Roman Theater in Mainz, cross the Roman Limes near Frankfurt (Main) and greet on one hill an Iron Age hillfort, on the other Neolithic chamber tombs.

In my mind I am with the colleagues I met yesterday and today at the workshop. Meetings are contact exchanges for old and new friends – all across Europe. Networking is that at the professional level, but some of the colleagues get to know each other more intensively during the repeated encounters, thus developing a wide-ranging, international circle of friends. One more reason for the next journey.